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Das Bruderkreuz

Bruderkreuz„Eines Tages gingen zwei Brüder (wollen wir sie Jörg und Michel heißen, ob von Steinach oder Aschbach) zum Holz- und Reisigholen in den Wald. Der eine hatte einen Säbel, der andere einen sogenannten Baumreißer, oder wie das Volk sagt, eine Heppe. Beide arbeiteten tüchtig darauf los bis zum Abend. Dann trafen sie wieder zusammen, um nach Hause zu gehen. Da meinte der Jörg spöttisch zum Michel: „Du hast aber wenig zusammengebracht. Da schau meins an…“. Dieser meinte geringschätzig: „Du hast ja nicht einmal so viel wie ich“. Ein Wort gab das andere, der Streit wurde immer heftiger und rasch war die unglückliche Tat geschehen: Jörg stieß seinem Bruder das Schwert durch die Brust, während dieser ihm mit der Heppe den Bauch aufschlitzte. Zu Tode getroffen sanken beide neben ihrem Holz ins Gras. Nun kam, allerdings zu spät, die Reue über ihren Jähzorn. „Michel verzeih‘ mir“, wimmerte Jörg; „Verzeih Du mir…“ sagte Michel. Miteinander versöhnt gaben sie beide den Geist auf.

Ihre Zeitgenossen setzten zur steten Erinnerung an diese grausige Tat und als warnendes Zeichen einen Gedenkstein.

 

Das Bruderkreuz (aus „Der Steigerwald“, S. 234/235)

Ein Kreuzlein steht im Walde
Auf blühender Haidahalde
Ein grauer, schlichter Stein.

Dort hat in alten Tagen
Der Bruder den Bruder erschlagen
Im Feld am grünen Rain.

Die Tat ist längst vergessen,
Der Stein nur sturmzerfressen,
Trotzt der Vergessenheit.

Doch schwelgt die Nacht in Düften
So pranget in den Lüften
Die Mär vom blutigen Streit
Aus längst vergessener Zeit.

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